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Der Flat rockt das Feld!

Trifft man bei einer eher ehrwürdigen Veranstaltung, mit seinem noch jungen Flat Coated Retriever auf Labrador und Golden Retriever Besitzer wird einem manchmal ein britisch gestelztes „Oh ein Flat!“ entgegen geraunt.
In der Familie der Retriever wirkt der Flat wie der immer nervige kleine Bruder, bei dem noch keiner so genau weiß, was aus ihm einmal werden soll.
Wie sich im Film die Eltern des Michel aus Lönneberger, leicht seufzend zu ihrem Jungen bekennen, seufzen Flat Halter fast ein bisschen entschuldigend „ich mag halt die Flats!“
Den Flat berühren solche traditionalistischen Animositäten nicht. Understatement hat mit ihm nicht grundsätzlich etwas zu tun.

Während seine Verwandten geduldig und entspannt der Dinge harren, die da kommen vertreibt sich der junge Flat die Zeit. Eifrig befreit er das Erdreich vor ihm vom Moos, Holzstöckchen werden sedimentiert und anderen Grünpflanzen spektakulär zerkaut.
Richtet sich die Aufmerksamkeit dann auf den kleinen oder nicht mehr ganz so kleinen Hund, klebt noch Erde zwischen seinen Zähnen oder ein Holzstöckchen steckt schief im Gaumen fest. Übereifrig und dabei sehr spektakulär bemüht er sich sein Dilemma zu beseitigen, erfolglos, er braucht Hilfe!
Je nach Zusammensetzung der Runde bekommt er dafür entzückte Lacher oder entnervtes Kopfschütteln „ist halt ein Flat“. Die Menschen der Flats versuchen Schadensbegrenzung und wischen sich danach, die angesabberten Finger, diskret und vielleicht wieder „ist halt ein Flat“ seufzend am Hosenbein ab.
Eine meiner liebsten Flat Frauchen Freundinnen, befestigte sich, solange ihr Flat Mädchen klein war ein „Sabbertuch“ direkt an der Dummyweste! Optisch eine Katastrophe und „Nicht Flat Haltern“ schwer zu vermitteln, in ihrem Fall aber durchaus sinnvoll!

Junge Flats erinnern mich immer an Fohlen. Die Beine staksig, wenig stabil und viel zu lang im Verhältnis zum Körper. Der schmale lange Kopf umrahmt von ausgefransten Ohren, das Fell unsicher ob es sich zu lang und seidig oder kurz und kompakt entwickeln soll.
Sein Blick aus neugierigen Augen, die jeden Umweltreiz erfassen, immer wieder seinen Menschen anblinzeln. Die Augenbrauen wirken als würden sie tanzen, um seine Zuwendung zu betonen und seine Lebhaftigkeit zu unterstreichen. Nur scheinbar kann diesen kleinen Hund kein Wässerchen trüben, dahinter lauert der Schalk.
Ich bin der Meinung, dass man die Setter kennen muss um den Flat zu verstehen. Seine Freude am Laufen, sich nicht beschränken, weiter gehen, auf Bindung bestehen und sich dabei Unabhängigkeit bewahren. Nicht zuletzt seine Vitalität, die er sich ein Leben lang bewahrt.
Seine Ausbildung verlangt vielleicht noch etwas mehr Geduld, als Hundeausbildung sowieso schon erfordert.
Die Flats sind lange Kind. Stellt man sich darauf ein und beginnt vieles spielerisch mit dem kleinen Hund, lernt der Flat unbekümmert. Seine Begeisterung an der gemeinsamen Sache und die ihm geschenkte Aufmerksamkeit von Herrchen und Frauchen lassen ihn wachsen. Dabei trauen sie sich Dinge, bei denen sie unter Erwartungsdruck blockieren würden.
Oft sind die Flats bei den Basics wie Konzentration, Geduld, Leinenführung noch unzuverlässig oder unruhig, schwimmen dafür jedoch schon ehrgeizig ans andere Ufer.
Hat er einmal keine Lust und probt den Aufstand geschieht dies sehr subtil. Als Mensch weiß man dann nicht so genau, ob der „Schatz“ das Kommando nicht kennt, kann oder ob er nicht will!

Denke ich an die Flat Coated Retriever baut sich vor meinem inneren Auge ein recht typisches Bild einer Trainingssituation auf: Während der Trainer dem Halter die Übung erklärt und beide konzentriert nach vorne blicken, blinzelt der Flat mal kurz an den Hosenbeinen vorbei nach hinten, zur Seite und einmal im Kreis. Die flauschigen Ohren wunderfitzig in Vorfreude gespannt.
Die Herausforderung sich und seinen Hund auf die Übung zu fokussieren liegt nun beim Flatbesitzer, da dieser über ähnlich viel Temperament verfügt wie sein Hund gelingt das perfekte Timing manchmal nicht sofort.
Beim zusehen denkt oder flüstert mancher Zuschauer wiederholt: „…ist halt ein Flat“.
Auch ein Flat Coated Retriever wird erwachsen.
Sie entwickeln sich zu wunderbaren Hunden, die Souveränität ausstrahlen, Ruhe akzeptieren lernen ohne dabei ihre Lebendigkeit und Jugendlichkeit aufzugeben.
Ihr doch beachtliches Interesse an Wild und an der Jagd prädestiniert sie für eine jagdliche oder jagdnahe Ausbildung.
Während der großräumigen Suche, wenn der Hund beim Spiel mit dem Wind ins Laufen kommt und sein seidiges Fell jede Muskelbewegung betont, spielt die Melodie des Flats und dann singt der verzückte Chor: „ist halt ein Flat“.

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